Anspruch auf Kur? Ich pflege und brauche eine Pause!
Shownotes
Menschen, die Angehörige pflegen, haben oft wenig Zeit für sich und tragen rund um die Uhr Verantwortung. Genau so geht es Christine Pompilii, die ihren fast 90-jährigen Mann pflegt und dringend Erholung bräuchte. Sie würde gerne mit ihm gemeinsam wegfahren. Welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, um in dieser Situation auf Kur oder Reha gehen zu können und was für Möglichkeiten es gibt, die pflegebedürftige Person in der Zeit versorgen zu lassen, darüber sprechen Aglaja Adam und Kai Klindt in dieser Folge.
Weitere Infos und Links:
- Unser Newsletter „Pflege & Geld“: https://www.apotheken-umschau.de/newsletter/pflege-und-geld
- Artikel der Apotheken Umschau zu Auszeit für pflegende Angehörige: https://www.apotheken-umschau.de/pflege/selbstfuersorge/auszeit-fuer-pflegende-angehoerige-reha-1001169.html
- Artikel der Apotheken Umschau zur Kurzzeitpflege: https://www.apotheken-umschau.de/pflege/zeitweise-im-heim-betreut-kurzzeitpflege-829845.html
- Infos der Caritas Paderborn zu Kur und Erholungshilfen: https://www.caritas-paderborn.de/beraten-helfen/gesundheit/kur-und-erholungshilfen
- Pflegewegweiser NRW zur Kurberatung: https://www.pflegewegweiser-nrw.de/caritas-kurberatung
Pflegt ihr Angehörige oder seid ihr selbst pflegebedürftig? Und habt ihr euch schon mal mit Pflegekasse, Pflegegeld oder Pflegegraden herumgeplagt? Dann seid ihr bei „gepflegt gefragt“ genau richtig. In diesem Podcast beantworten wir eure Fragen rund um das Thema Pflege und helfen dabei, sich im Bürokratie-Wust zurechtzufinden. Gesundheitsjournalistin Aglaja Adam und Kai Klindt, der neben seiner journalistischen Tätigkeit als Pfleger arbeitet und studierter Altersforscher ist, sprechen in diesem Podcast mit Betroffenen und Expert:innen. Welche Hilfen kann man in Anspruch nehmen? Welche Gelder stehen einem zu Verfügung? Und wie kommt man überhaupt an einen Pflegegrad? Antworten auf diese und viele weitere Fragen hört ihr hier.
Jeden zweiten Donnerstag erscheint eine neue Folge.
Habt ihr Fragen rund um das Thema Pflege, die wir im Podcast beantworten sollen? Dann schreibt uns an: pflege@gesundheit-hoeren.de
Diesen und weitere Gesundheitspodcasts gibt es auf www.gesundheit-hoeren.de
Das Team hinter „gepflegt gefragt“:
Hosts: Aglaja Adam, Kai Klindt;
Redaktion: Kari Kungel, Constanze Radnoti;
Postproduktion: Benedikt Möltner, Yves Seißler;
Chefredakteur: Peter Glück
[ANZEIGE] Mehr über die Angebote unserer aktuellen Werbepartner gibt es unter https://www.apotheken-umschau.de/podcast/partner
Transkript anzeigen
00:00:03: SPRECHER: gesundheit-hören
00:00:09: AGLAJA ADAM: Herzlich willkommen bei gepflegt gefragt, ein Podcast von gesundheit-hören. Das ist das Audioangebot der Apotheken Umschau.
00:00:17: KAI KLINDT: In diesem Podcast beantworten wir eure Fragen rund um das Thema Pflege für pflegende Angehörige und für Menschen, die selbst gepflegt werden.
00:00:24: AGLAJA ADAM: Und in dieser Folge wollen wir uns mit dem Thema beschäftigen, wie pflegende Angehörige auch mal eine Pause nehmen können, sich eine Auszeit gönnen können und vielleicht mal auf Reha gehen können.
00:00:36: KAI KLINDT: Mein Name ist Kai Klindt, ich bin Redakteur bei der Apotheken Umschau und Pflegefachkraft.
00:00:41: AGLAJA ADAM: Und ich bin Aglaja Adam, ich bin auch Redakteurin bei der Apotheken Umschau.
00:00:45: KAI KLINDT: Und damit starten wir.
00:00:51: AGLAJA ADAM: Kai, ich würd wirklich gern mit dir über Auszeiten für pflegende Angehörige sprechen. Welche Angebote gibt's da überhaupt? Wie kann man die beantragen? Darum soll's heute in dieser Podcastfolge gehen.
00:01:04: KAI KLINDT: Genau, wir werden konkret sprechen über Reha und Kuren beziehungsweise Vorsorge für pflegende Angehörige. Welche Möglichkeiten gibt's da? Das Thema ist bisher leider kaum bekannt und wir hoffen da mit diesem Podcast daran etwas ändern zu können.
00:01:17: AGLAJA ADAM: Ja und genau von so einer Auszeit träumt auch Christine Pompilii. Sie pflegt ihren Mann, der ist 88 Jahre alt. Sie selbst ist 75 Jahre alt und die beiden waren früher sehr viel unterwegs. Er ist Italiener und sie haben längere Reisen in sein Heimatland gemacht, waren auch noch vor paar Jahren gemeinsam auf Busreisen und seit er immer pflegebedürftiger wurde, kommt sie einfach gar nicht mehr raus und sie wünscht sich wirklich mal Erholung. Ich würd dir gern mal vorspielen, was sie mir so gesagt hat.
00:01:50: KAI KLINDT: Gerne.
00:01:51: CHRISTINE POMPILII: Ja, also mein Mann, der hat Pflegestufe vier und ist seit fünf Jahren, fast fünf Jahren, dialysepflichtig und ich bin praktisch sieben Tage 24 Stunden muss ich für ihn da sein. Ich kann eigentlich maximal zwei Stunden am Tag kann ich ihn alleine lassen. Das funktioniert nicht mehr und ich komme irgendwie inzwischen an meine Grenzen, dass ich auch mir nicht mal eine Auszeit nehmen kann, mich mal mit jemandem treffen, dass ich mal wieder praktisch meine Akkus aufladen kann. Und ich würde gerne wissen, wie ich das beim Hausarzt vorbringe und wie mir der Hausarzt weiterhelfen kann und wo ich den Antrag ausstellen muss. Ob ich das beim Hausarzt oder ob ich das bei der Krankenkasse machen muss für meinen Mann und für mich. Das wäre für mich wichtig.
00:02:33: AGLAJA ADAM: Kai, hörst, Frau Pampili, ich würde gerne mit ihrem Mann auf Reha gehen. Gibt's sowas überhaupt?
00:02:39: KAI KLINDT: Ja, es gibt Rehaangebote für pflegende Angehörige und auch für die Betroffenen. Es gibt auch Kuren, das sind also Vorsorgemaßnahmen, die gibt's außer der Reha auch noch. Genau, das Ganze ist relativ wenig bekannt, von daher ist deine Frage sehr gut. Also ich glaub, wenn man unter den Zuhörerinnen und Zuhörern unseres Podcasts eine Umfrage machen würde, wer kennt das Kur oder Reha für pflegende Angehörige, dann denke ich mal, da würden wahrscheinlich die Allerwenigsten die Hand heben, weil das ist das große Problem, dass diese Angebote wenig bekannt sind, ja.
00:03:10: AGLAJA ADAM: Ja, was ich auch im Gespräch mit Frau Pompilii gemerkt habe, ist, dass sie nicht wusste, dass es eine Reha gibt, wo sie ihren Mann mitnehmen kann. Sie dachte lange Zeit, dass sie irgendwo hinfährt und ihr Mann bleibt dann in der Heimat. Die beiden wohnen in Salzgitter, in der Nähe von Braunschweig und er muss darf soll dann dort in die Kurzzeitpflege und das ist für sie nicht so vorstellbar. Das hat sie mal ausprobiert. Sie war schon mal vor einiger Zeit wirklich sehr ausgebrannt, hat sich dann selber informiert, welche Pflegeheime einen Kurzzeitpflegeplatz frei haben, hat mit ihrem Mann auch drüber gesprochen. Er ist bisschen dement auch schon und er hat sich dann bereit erklärt, zwei, drei Wochen in die Kurzzeitpflege zu gehen und es hat sich relativ schnell rausgestellt, dass es für sie keine Erholung war, weil er ständig wollte, dass sie kommt. Sie hat sich überhaupt nicht erholen können. Sie war trotzdem in ihrer Rolle als Pflegende immer noch sehr präsent, hat ihm Essen vorbeigebracht, ihn mit Obst versorgt und ja, nach paar Tagen wollte er dann eigentlich schon wieder nach Hause. Und jetzt ist eben ihr großer Wunsch, dass sie mal noch mal zusammen richtig auf eine Reise gehen und sie selbst auch wirklich eine Reha machen kann oder eine Kur. Kannst Du vielleicht noch mal ganz kurz erklären, Du hast jetzt grad schon gesagt, Kur ist was anderes, was da der Unterschied ist?
00:04:35: KAI KLINDT: Genau, also man muss dazu sagen, das Wort Kur, das ist ja so eingebürgert, das gibt es eigentlich im Sozialrecht überhaupt nicht. Das heißt ja stationäre Vorsorgemaßnahme. Der Unterschied zwischen Vorsorgemaßnahme beziehungsweise Kur und Reha ist der, dass es bei eins Kur darum geht, eigentlich Erkrankungen vorzubeugen, gesund zu bleiben und bei der Reha geht's darum, dass man eine Erkrankung hat und dass es in dieser Reha um diese Erkrankung auch geht, dass diese Erkrankung konkret auch dann behandelt wird in der Reha. Das ist der Unterschied.
00:05:08: AGLAJA ADAM: Und da kommen wir wieder zum nächsten Punkt. Frau Pompilii hat mir auch erzählt, dass sie relativ fit ist und sie ist auch sehr eigenständig. Sie kann noch zum Einkaufen radeln, hat ihr Leben gut im Griff. Wir haben's ja auch im Einspieler gehört, sie würde gerne mehr Zeit auch für sich haben, Freundinnen treffen, Sport treiben und sie hat jetzt nicht das Gefühl, dass sie krank ist, aber sie braucht einfach Erholung und eine Pause. Hat sie denn dann eine Chance, dass sie eine Reha beantragen kann?
00:05:35: KAI KLINDT: Vom Ablauf her ist es so, dass ein Arzt, eine Ärztin muss eine Verordnung ausstellen, sowohl für die stationäre Vorsorge als auch für die Rehamaßnahme. Die Erfahrung ist die, dass pflegende Angehörige eigentlich immer eine Indikation, wie man das nennt, für eine solche Maßnahme haben und ich allein, dass sie beschreibt, wie erschöpft sie ist, dass sie am Ende ihrer Kräfte ist, dass sie vielleicht nicht mehr schlafen kann, dass sie Dauerstress hat und vielleicht auch psychosomatische Beschwerden vielleicht irgendwie Bluthochdruck vielleicht. Allein das deutet schon sehr darauf hin, dass sie unbedingt eine entweder Reha oder Vorsorge machen sollte. Und da wäre der erste Schritt mit der Hausärztin oder dem Hausarzt zu sprechen. Nicht alle wissen darüber Bescheid, dass es diese Möglichkeiten gibt, aber man kann sie ja darauf hinweisen, darauf hinstoßen und ja, das wär der erste Schritt, genau.
00:06:26: AGLAJA ADAM: Da muss ich ganz kurz ausholen, Sie war nämlich schon mal bei Ihrer Hausärztin und Ihre Hausärztin hat dann gesagt, warum sie dann nicht einfach alleine Urlaub macht und Ihren Mann wieder in die Kurzzeitpflege gibt und ich hab dir ja schon geschildert, dass sie das ausprobiert hat und das lief nicht so gut. Wissen denn die Hausärztinnen und Hausärzte überhaupt über diese Rehaangebote Bescheid oder ist es besser, dass man sich vielleicht irgendwie an einen Pflegestützpunkt wendet oder an eine Pflegeberatung? Wo bekommt man denn Informationen über diese Einrichtungen, die es ja wohl in Deutschland gibt?
00:07:00: KAI KLINDT: Ja, das ist das große Problem, dass eben der Bekanntheitsgrad dieser Angebote sehr gering ist. Trotzdem es ja eine ganz große Gruppe gibt von Betroffenen, also es gibt so eine Zahl, das ist glaube ich mehr so eine grobe Schätzung, dass es etwa neun Millionen Menschen gibt in Deutschland, die sich um Angehörige kümmern, pflegen, versorgen. Die brauchen sicherlich nicht alle eine Reha- Vorsorgemaßnahme, aber es ist zumindest eine sehr große Gruppe, die da potenziell in Frage käme und das ist für mich auch überraschend zu hören, ich hab mit einigen Experten, Expertinnen in den letzten Monaten sprechen können über dieses Thema. Die haben mir alle gesagt, das große Problem ist, dass es kaum bekannt ist.
00:07:36: AGLAJA ADAM: Das ist…
00:07:37: KAI KLINDT: Das Problem, da kommen wir vielleicht später noch mal drauf ist, dass die Menschen, wenn sie denn davon wissen, die Angehörigen, sich das nicht zutrauen. So eine Reha zu machen mit der pflegebedürftigen Person oder auch ohne. Es gibt doch verschiedene Modelle da, aber der erste Schritt sollte schon sein, dass man auf die Hausärztin und den Hausarzt zugeht, weil der Arzt muss halt auch eine Verordnung ausstellen, das ist der erste Schritt. Im zweiten Schritt würde ich mich dann informieren, welche Einrichtungen infrage kommen.
00:08:04: AGLAJA ADAM: Und bei den Einrichtungen, also ich fand das auch ganz spannend, als ich mich jetzt bisschen in das Thema eingelesen habe. Ich dachte am Anfang, da geht man dann wirklich mit der zu pflegenden Person in ein Hotelzimmer oder gemeinsam in ein Zimmer in der Reha Einrichtung und macht dann gemeinsam Sportangebote und Massage. So ist es natürlich nicht. Wenn jemand schon Pflegestufe vier hat, hat der natürlich einen ganz anderen Versorgungsbedarf. Wie läuft es denn ab? Ist dann die pflegebedürftige Person in dem gleichen Haus oder dann an dem Ort in der Kurzzeitpflege?
00:08:42: KAI KLINDT: Genau, es gibt da verschiedene Modelle. Wie gesagt, die eine Möglichkeit ist, die pflegebedürftige Person mitzunehmen. Die kann dann entweder da im Zimmer mit wohnen in der Klinik oder aber in eins Kurzzeitpflegeeinrichtung am Ort, also eins, zwei, drei Kilometer entfernt vielleicht oder halt das, was Du auch schon angedeutet hast, dass man auch die pflegebedürftige Person in der Kurzzeitpflege zu Hause lässt. Das ist jetzt für Frau Pompilii offensichtlich keine Lösung, aber diese Option gibt es natürlich auch. Und man muss auch sagen, ich hab mit vielen Menschen, Mitarbeitenden von Kliniken, Rehakliniken gesprochen und die sagen mir, dass die Option, die pflegebedürftige Personen mitzunehmen, relativ selten genutzt wird. Also die meisten kommen dann doch alleine. Das ist der größere Teil und finden dann einen anderen Weg, eine Versorgung zu organisieren. Also zum Beispiel in der Kurzzeitpflege zu Hause oder dass man jemand findet über die Verhinderungspflege, der halt in der Zeit die Betreuung der des Angehörigen übernimmt, wo man selbst in der Reha ist, ja.
00:09:46: AGLAJA ADAM: Und wie stehst Du insgesamt zu dem Thema oder wie siehst Du das, dass man vielleicht auch mal Abstand bekommt von der Person, die man pflegen muss? Also gehört es nicht auch zur Erholung dazu? Ich mein, ich bin keine pflegende Angehörige in dem Sinne, aber schon alleine, wenn ich meine Oma im Pflegeheim besuche, merke ich nach paar Stunden, dass ich wirklich auch froh bin, wenn ich wieder gehen kann und dann wieder was anderes als Input brauch und dann wieder das nächste Mal frisch dahingehen kann. Und wenn ich mir vorstelle, ich müsste rund um die Uhr twenty four seven, so wie Frau Pompilii ihre Situation beschreibt, pflegen, da tut doch bestimmt Abstand auch mal gut, oder?
00:10:25: KAI KLINDT: Ja. Also aus meiner Sicht auch, ich erlebe ja auch Angehörige in meiner Arbeit, da würde ich unbedingt dazu raten, sich die Zeit für sich selbst zu nehmen. Also auch räumlichen Abstand zu haben zur pflegebedürftigen Person. Das haben ja auch Mitarbeiter von Kliniken, die da die Betroffenen, also die Angehörigen beraten und begleiten während der Kur oder der Reha auch erzählt, dass sie das empfehlen. Aber jetzt kommt das große Aber, es ist oft so, dass die Angehörigen und die pflegebedürftige Person einen sehr engen emotionalen Draht zueinander haben. Oft zumindest ältere Paare, die jahrzehntelang schon sich kennen und zusammenleben und sie können sich das nicht vorstellen, dass sie sich da trennen. Und ich habe auch, muss ich sagen, im Laufe der Jahre großen Respekt entwickelt vor dieser Haltung auch. Ich denk mal, man muss diese Haltung erst mal akzeptieren, auch wenn es vielleicht aus meiner persönlichen Sicht irgendwie besser wäre, wenn man alleine fahren würde in die Kur oder Reha, aber wenn die Bindung so stark ist, dass sie sowieso nicht abschalten können, dann dann macht es wahrscheinlich auch wenig Sinn. Und was ich so gehört habe, so auch an Rückmeldungen von Angehörigen, die sie Reha gemacht haben mit der betroffenen Person zusammen, also wenn die betroffene Person auch während der Kur oder Reha dann auch in der Nähe war oder vielleicht sogar im Zimmer mit war versorgt wurde, dass die auch trotzdem diese Maßnahme als sehr, sehr hilfreich empfunden haben, obwohl die pflegebedürftige Person eben dabei war, ja.
00:11:56: AGLAJA ADAM: Ja, also das hab ich bei Christine Pompilii auch gemerkt, dass sie einfach auch viele Erinnerungen an gute Zeiten mit ihrem Mann hat und eigentlich davon träumt, dass sie zwar mehr Zeit hat, auch mal Sport zu machen, vielleicht eine Massage bekommt, aber auch gleichzeitig gerne mit ihrem Mann mal spazieren gehen würde. Sie hat dann auch gesagt, zum Beispiel Ostsee käme für sie infrage. Weißt Du, wo es so Kliniken in Deutschland gibt? Gibt's die flächendeckend?
00:12:21: KAI KLINDT: Flächendeckend gibt's sie nicht und das große Problem ist auch, dass weil das Angebot wenig bekannt ist, haben manche Kliniken auch schon wieder diese Angebote eingestellt, weil die Nachfrage so gering war oder weil sich das nicht refinanzieren ließ. Es gibt auch schon einige, die das machen und es gibt leider kein zentrales Register solcher Einrichtungen. Also am besten lässt man sich beraten zum Beispiel über die Deutsche Rentenversicherung, die ja viele Rehakliniken hat, ob die da entsprechende Einrichtungen haben. Da würde ich am besten anrufen oder auf der Website recherchieren oder beim Müttergenesungswerk, die haben auch Kurberatung für pflegende Angehörige und machen auch selber in ihren Einrichtungen teilweise Kuran oder Rehamaßnahmen für pflegende Angehörige. Ja, das sind so die Möglichkeiten, sich da Adressen rauszufinden. Man muss sich das so bisschen durchfragen und durchsuchen so.
00:13:13: AGLAJA ADAM: Ich denke, können dann vielleicht auch einige Links in die Shownotes stellen.
00:13:15: KAI KLINDT: Ja, gerne.
00:13:16: AGLAJA ADAM: Du hattest ja auch Kontakt, glaub ich, mit der Caritas in Paderborn, die auch auf ihrer Homepage Angebote vor allem beschreibt.
00:13:25: KAI KLINDT: Genau. Es gab in Nordrhein-Westfalen ein Projekt Kuren und Reha für pflegende Angehörige, so hieß das auch. Es lief bis 2023. Das sollte das Thema so bisschen bekannter machen und auch die Träger von Kliniken dazu bringen, mehr solche Angebote anzubieten. Und in dem Rahmen gab es auch eine Kurberatung für pflegende Angehörige, die gibt's auch heute noch. Sie ist sehr, sehr rührig, aber ist im Grunde eine Person und die ist vor allen Dingen für Nordrhein-Westfalen zuständig. Also das ist eigentlich als bundesweites Beratungsangebot gedacht, aber auch darauf werden wir verlinken in den Shownotes, ja.
00:13:59: AGLAJA ADAM: Weil ich denk, die Wünsche und Bedürfnisse sind ja auch sehr unterschiedlich. Also hier im Falle des Ehepaars Pompilii haben wir ja noch die Schwierigkeit, dass der Mann dialysepflichtig ist seit fast fünf Jahren. Das heißt, der wird auch momentan zweimal die Woche abgeholt und in ein Dialysezentrum gebracht und natürlich macht sich Christine Pompilii Gedanken, dass sie irgendeine Einrichtung findet, wo ihr Mann neben aller anderen Pflege und Betreuung auch noch Dialyse machen kann. Ja. Denkst Du, sie kann da trotzdem Hoffnung haben und es gibt bestimmt trotzdem Möglichkeiten, dass sie eine Kurzzeitpflege findet, irgendwo angegliedert an eine Reha Einrichtung?
00:14:39: KAI KLINDT: Also ich denke, sie kann da sicherlich ja Hoffnung haben. Es gibt ja auch für Dialysepatientinnen und -patienten auch Einrichtungen so zur Urlaubsdialyse, das heißt man kann natürlich an die Ostsee fahren oder auch in ein anderes Urlaubsgebiet, zum Teil ja auch außerhalb von Deutschland, wo man dann eine Dialyse bekommen kann als Betroffener. Das macht die Sache natürlich nicht einfach, muss man sagen. Es ist ohnehin so, das muss man betonen, wenn man eine Reha oder eine Kur als pflegende Angehörige machen möchte und dann auch noch die betroffene Person dabei haben möchte, braucht man einen sehr langen Vorlauf. Und man rechnet so bis sechs bis neun Monate.
00:15:15: AGLAJA ADAM: Okay. Boah.
00:15:16: KAI KLINDT: Ja. Also genau, das ist so die Erfahrung, die gemacht wurden, dass sie nach der ersten Beratung in der Kurberatung zum Beispiel, dass die Angehörigen dann noch paar Wochen oder Monate brauchen, um sich mit dem Gedanken zu arrangieren und dann wird halt Antrag gestellt, der Hausarzt oder die Hausärztin stellt eine Verordnung aus. Dann wird die Klinik ausgesucht, die kann man sich übrigens frei aussuchen, hat ja ein Wahlrecht an der Rehaklinik. Und genau, das Ganze dauert dann aber auch mit der Kurzzeitpflege, die man vielleicht noch braucht für die betroffene Person, dauert es oft sechs bis neun Monate. Die Zeit muss man sich schon nehmen und ich weiß auch von Bekannten, die also ein Bekannter von uns ist dialysepflichtig und die fahren manchmal auch in Urlaub und brauchen dann auch halbes Jahr Vorlauf oder so, um überhaupt einen Platz zu kriegen für die Dialyse, weil die Plätze scheinen also grad an den Urlaubsorten auch begehrt zu sein, ja.
00:16:07: AGLAJA ADAM: Okay, das heißt, man bekommt eine Verordnung, sucht sich dann die Einrichtung selbst aus oder zusammen mit der Hausärztin, dem Hausarzt oder man wendet sich eben an eine Expertin, einen Experten, der einen berät und dann muss man selber den Antrag bei der Klinik stellen. Habe ich das richtig verstanden?
00:16:26: KAI KLINDT: Man kann sich eine Klinik aussuchen und die angeben bei der Rentenversicherung oder Krankenversicherung. Es ist so, bei der die Rentenversicherung ist zuständig, wenn es sich um Menschen handelt, die erwerbstätig sind, also wenn die pflegenden Angehörigen erwerbstätig sind und die Krankenversicherung ist für Rentnerinnen und Rentner zuständig. Und da kann man diese Klinik, die Wunschklinik angeben, genau, ja. Es ist sicherlich unbedingt dazu zu raten, dass man sich selbst die Klinik aussucht, ja. Also grad bei diesem Thema, ja zumal man auch sagen muss, es gibt so einzelne Kliniken, die machen Konzepte, Angebote für pflegende Angehörige, die sind aber sehr unterschiedlich. Die haben oft so ein eigenes hauseigenes Konzept. Ich denke mal, die meisten sind sehr gut, gehen auch so in Richtung so Selbstfürsorge, Achtsamkeit, so mehr auf sich achten, Entspannung, auch Bewegung und dass man also einfach mehr sich selbst auch in den Fokus nimmt, was ja vielen Angehörigen sehr schwerfällt. Aber dass man da auch guckt, was gibt's da für Angebote und vielleicht auch mal da anruft, ja und fragt irgendwie, was machen Sie und wie könnte das konkret aussehen bei mir? Wie lange dauert das? Da gibt's auch Unterschiede.
00:17:28: AGLAJA ADAM: Aber das heißt, man muss wirklich selbst aktiv werden und sich drum kümmern.
00:17:32: KAI KLINDT: Ja.
00:17:32: AGLAJA ADAM: Als erstes Mal mit der Ärztin oder dem Arzt sprechen.
00:17:35: KAI KLINDT: Genau, aber das ist die große Hürde, ja. Das ist irgendwie, weil viele sind ja eh schon sehr angespannt und haben so wie Frau Kompili auch wenig Kraft, ja, weil es eben so anstrengend ist, die Situation so belastend und es wäre sicherlich, das sehe ich so ein bisschen als Manko an, unbedingt notwendig, dass es so etwas wie bei der Caritas in Paderborn eben auch bundesweit gibt. Also eine Kurberatung oder Rehaberatung für Angehörige pflegende Angehörige, die die Menschen so‘n bisschen an die Hand nimmt und die dabei hilft, das zu stemmen, ja.
00:18:03: AGLAJA ADAM: Aber es kommt doch schon ambulanter Pflegedienst auch, wenn zu Hause gepflegt wird und schaut sich die Situation an. Wär das nicht auch Punkt, dass da geguckt wird auf die psychische Gesundheit der pflegenden Angehörigen und dann auch mal der Tipp gegeben wird, Ja. Kümmern Sie sich mal um sich selbst, machen Sie vielleicht mal eine Auszeit?
00:18:21: KAI KLINDT: Ja, das wär sicherlich wünschenswert. Es gibt ja auch, wenn man jetzt keinen Pflegedienst hat, also nur Pflegegeld bezieht, dann ist es so, dass man ja zweimal im Jahr einen so‘n Beratungsbesuch eins, in der Regel eines ambulanten Pflegedienstes bekommt, der guckt, ist die Pflegesituation vor Ort funktioniert die, ist die Pflege sichergestellt? Und das wär eigentlich der Zeitpunkt zu sagen, Sie wirken auf mich sehr überlastet, Sie bräuchten nur etwas für sich. Ich weiß aber nicht, ob das in der Praxis passiert, aber das wär guter Rahmen dafür, um das Thema anzusprechen und vielleicht auch Anschuss zu geben in Richtung Kur oder Reha oder Kur, das würden sich würden mich wahrscheinlich Mitarbeiter der Rentenversicherung, keine Besinnung jetzt steinigen, weil es gibt's einfach nicht mehr, aber Vorsorge, aber Kur ist einfach geläufiger, ja.
00:19:08: AGLAJA ADAM: Ja, also Reha klingt eben für mich immer so, da muss schon das Kind in den Brunnen gefallen sein, da muss man schon krank sein und eine Diagnose gestellt bekommen haben, sei es jetzt Rückenschmerzen oder Burnout. Und Kur klang für mich bisher immer so, das kann man machen, wenn man das Bedürfnis hat, dass man mal wieder einfach Energie auftankt. Weil im Prinzip geht es ja häufig vielleicht darum, dass man einfach die Akkus auflädt, bevor es zu spät ist und bevor man dann gar nicht mehr kann und vielleicht dann auch körperliche Beschwerden kriegt und die Pflege überhaupt nicht mehr stemmen kann.
00:19:42: KAI KLINDT: Ja, das ist wichtiger Punkt, weil es ist so, Ich hatte ja gesagt, es dauert eh relativ lange oft, sechs bis neun Monate, bis man dann mal das umsetzen kann, diese Maßnahme, also auch wirklich in die Reha fahren kann. Man sollte nicht so lange warten. Viele warten bis zu dem Zeitpunkt, wo sie nicht mehr können und dann ist, ich will nicht sagen, zu spät, sicherlich nicht, aber es wird sehr viel besser früher schon. Sobald man das Gefühl hat, dass man durch die Pflegesituation gestresst ist und sich nicht sagt, ja, das ist ja, ich muss da jetzt irgendwie durch und das ist meine Pflicht und ich möchte das unbedingt, sondern sich selbst eingesteht, dass einen die Situation stresst und dann wäre das der Zeitpunkt schon, so eine Kur oder Reha in Angriff zu nehmen. Und das ist so mein dringender Rat an die Betroffenen eigentlich, dass man da früh an sich denkt. Weil diese Pflegesituationen können oft lange dauern, bei Frau Pompilii war's glaub ich fünf Jahre oder noch länger und es gibt ja immer Situationen, die noch dauern dann acht oder zehn Jahre und das ist gerade für Menschen, die manchmal auch oft ja selber schon etwas älter sind oder die andere Überlastung noch haben, vielleicht durch die Kindererziehung oder durch den Job, ist das unglaublich wichtig zu lernen, mit seinen eigenen Kräften zu haushalten. Und das kann man im Alltag kaum tun. Also wenn man jetzt meinetwegen mal zu einem Gesprächskreis geht für pflegende Angehörige oder sich mit seiner Hausärztin ausspricht oder mit Bekannten ausspricht, das ist wertvoll, extrem wertvoll, aber es kann nicht das leisten, was in einer Kur oder in einer Rehamaßnahme gemacht werden könnte, die drei Wochen, manchmal auch fünf oder sieben Wochen dauert.
00:21:18: AGLAJA ADAM: Genau, die Zeit, die man dann einplanen sollte, das wollte ich als nächstes fragen, was hältst Du denn für einen angemessenen Zeitraum, um wirklich wieder fit zu werden und vielleicht auch neue Strategien mitzubekommen, wie man dann hinterher den Alltag besser wuppt?
00:21:35: KAI KLINDT: Ja, das ist son bisschen vorgegeben. Also es ist so, dass vielleicht eine psychosomatische Reha, oft sind es psychosomatische Angebote, die gemacht werden für Angehörige, kann fünf bis sieben Wochen dauern. Eine orthopädische Reha dauert in der Regel immer drei Wochen und eine stationäre Vorsorgemaßnahme beziehungsweise Uhr dauert auch in der Regel drei Wochen. Also es ist son bisschen definiert, je nachdem welche Leistung und welche Art von Klinik das ist.
00:21:59: AGLAJA ADAM: Also drei Wochen ist aber son Zeitraum, den man auf jeden Fall einplanen sollte.
00:22:04: KAI KLINDT: Ja, das ist sicherlich auch sinnvoll. Ich glaub, kürzer macht wenig Sinn, ja, um einfach mal wirklich son bisschen Fokus auf sich selbst zu lenken, weil das ist die große Herausforderung für die meisten Angehörigen.
00:22:15: AGLAJA ADAM: Ja, ja, das hat Christine Pompilii eben ja geschildert, dass sie wirklich nicht einmal zwei Stunden weg kann. Also sie kann sich zwei Stunden mit Freundinnen treffen, aber nach zwei Stunden muss sie schon wieder sagen, sie muss zurück. Sie fühlt sich eigentlich ständig unter Zeitdruck und immer in Bereitschaft.
00:22:30: KAI KLINDT: Genau und das ist auch etwas, was ich so beobachte, so bei Angehörigen. Es ist ja nicht nur das Gefühl, dass man 24 sieben immer da sein muss, sondern es ist ja auch in den Momenten, wo man vielleicht doch mal woanders ist, bei Freunden oder irgendwie kleinen Ausflug macht oder Spaziergang, dass man trotzdem immer denkt, was ist jetzt mit ihm oder ihr zu Hause pflegebedürftig, hilfsbedürftig und dass man deswegen auch nachts sich zum Schlafen kommt, das höre ich ja auch, das hab ich grad am Wochenende wieder von eins Angehörigen gehört, die irgendwie sich vor Sorgen zerreibt einfach, dass sie immer denkt, jemand ist demenzkrank. Was ist, wenn er jetzt das Haus verlässt? Was ist, wenn er sich jetzt ins Auto setzt, was er nicht mehr machen kann, aber das Auto ist noch da und und die Garage abschließt, dann bricht er die das Garagentor auf und solche Sachen und diese Gedanken gehen einem immer im Kopf um und das setzt dann wahnsinnig unter Strom. Das ist glaube ich nachvollziehbar und deswegen ist diese Auszeit, diese drei Wochen sicherlich auch die untere Grenze, sag ich mal, um da was sinnvoll für sich zu erreichen.
00:23:33: AGLAJA ADAM: Gleichzeitig ist es natürlich auch oft so, dass Pflege gar nicht so als Beruf empfunden wird oder eine Tätigkeit, die so anstrengend ist, wenn man ja so langsam reinrutscht. Und viele denken dann auch, ja Urlaub, das kostet ja auch nur wieder Geld und ich möchte jetzt auch nicht die ganze Zeit irgendwelche Gelder bekommen. Andere haben's noch schlechter als ich. Ist ja auch oft son Gedanke, den man hört. Wie ist es dann? Wie oft kann man denn sone Reha beantragen und wie wird so was überhaupt finanziert?
00:24:04: KAI KLINDT: Also man kann so eine Reha- Vorsorgemaßnahme in der Regel alle vier Jahre machen. So ist es im Sozialgesetzbuch vorgesehen, aber ich weiß, dass es auch Kassen gibt, die da son bisschen, ich sag mal kulanter sind, Krankenkassen, die dann das auch manchmal auch jährlich möglich machen, wenn das den Leuten hilft. Und die Kosten sind im Wesentlichen der Eigenanteil von zehn Euro am Tag für den Klinikaufenthalt.
00:24:33: AGLAJA ADAM: Also wenn man gesetzlich krankenversichert ist.
00:24:35: KAI KLINDT: Ja, ja genau. Also was man auch normalerweise, wenn ich jetzt irgendwie als Patient ins Krankenhaus müsste, muss ich ja zehn Euro am Tag Zuzahlung leisten, glaub bis zu 28 Tagen und das ist das Gleiche wie in Rehakliniken. Und was die Unterbringung der betroffenen Personen angeht, da war das lange Zeit so, dass man dafür den Topf der für Kurzzeitpflege nutzen musste oder Verhinderungspflege nutzen musste, den die Pflegekasse zur Verfügung stellt. Inzwischen ist es aber so, dass es das eine gute wichtige Neuerung finde ich, dass es seit 2024 ist es so, dass es mitgetragen wird. Dass man das also den Angehörigen mitnehmen kann, den pflegebedürftigen Angehörigen. Die Kosten werden getragen von der Krankenkasse meines Erachtens und dass man also nicht den Topf für die Kurzzeit- Verhinderungspflege beziehungsweise jetzt heißt es Entlastungsbudget anzapfen muss. Also Das ist großer Fortschritt, ja.
00:25:27: AGLAJA ADAM: Du hattest ja vorhin gesagt, sechs bis neun Monate dauert es, bis der Antrag durch ist. Man kann ja auch mal krank werden und dann muss man vielleicht die Kurzzeitpflege in Anspruch nehmen und ich kann mir vorstellen, dass dann viele gedacht haben, oh je, jetzt muss ich schon neun Tage Kurzzeitpflege, dann wird das nix mit der Reha, weil dann sind meine Tage ja schon verbraucht. Du bist Geldes schon alle.
00:25:47: KAI KLINDT: Genau.
00:25:48: AGLAJA ADAM: Diese Sorge muss man eigentlich jetzt nicht mehr haben.
00:25:50: KAI KLINDT: Ja, das ist ganz wichtig, ja. Das ist auch wenig bekannt, aber das ist wichtige Neuerung, ja.
00:25:56: AGLAJA ADAM: Also die Kosten sind dann im Prinzip gar nicht son großes Problem, das kriegt man alles geregelt.
00:26:01: KAI KLINDT: Die Kosten sind nicht die Hürde, nein.
00:26:03: AGLAJA ADAM: Ist es auch wichtig, dass man mit der pflegebedürftigen Person spricht und ihr auch erklärt, wie man sich fühlt? Oder ist es in der Realität so, dass man das gar nicht so gerne macht, weil man die ja nicht belasten möchte?
00:26:15: KAI KLINDT: Ich würde unbedingt dazu raten, dass man wirklich als pflegende Angehörige oder pflegender Angehöriger dazu steht, dass man das braucht. Dass man jetzt eine Auszeit braucht, dass man auch eine Reha braucht, dass es eine wichtige Maßnahme ist, damit man auch als, zum Beispiel wenn es um ein Paar geht, dass man auch als Paar weiterhin die Situation auch bewältigen kann, die Pflegesituation. Das ist auch für mich, als wenn ich jetzt legender Angehöriger wäre, einfach wichtig ist, diese Maßnahme zu nutzen, diese Kraft zu schöpfen, auch zu lernen, besser mit mir umzugehen, um halt auch langfristig diese Situation bewältigen zu können, also meinem pflegebedürftigen Angehörigen auch beistehen, also pflegen zu können, ja. Also ich kann das schon gut nachvollziehen, dass man auch große Scheu hat, aber ich glaube, es ist in der Situation enorm wichtig, dass man sich selber eingestellt, ich brauch das jetzt, ja. Und ich kann da auch nicht lange warten, ja.
00:27:04: AGLAJA ADAM: Du sagst immer, ich brauch das jetzt. Was genau ist denn das, was man dann auch wirklich aus so Reha rauszieht, also
00:27:10: KAI KLINDT: Ja, also ich hab ja mit einigen so Mitarbeitenden von Rehakliniken gesprochen, die halt mit Angehörigen arbeiten, mit pflegenden Angehörigen und die erzählen mir, dass es so ganz zentral ist, dass die Angehörigen so Wege entwickeln für sich, so im Alltag mehr auf sich zu achten. Sei es so, dass es Entspannungsübungen sind, sei es, dass man so eine Art Genusstraining macht, dass man wieder lernt, wirklich auch zu genießen, auch son Essen bewusst zu genießen zum Beispiel. Sei das, dass man sich wirklich Zeit nimmt für Bewegung im Alltag und ganz wichtiger Punkt ist auch, viele Menschen, die Angehörige pflegen, sind auch isoliert. Das ist eine Erfahrung, die ganz häufig ist, die ich auch ganz häufig zu hören kriege, auch in meiner Arbeit als Pflegekraft und da in der Rehaklinik habe ich oft auch die Möglichkeit, mich mit anderen auszutauschen, die auch in der Situation sind, die mich verstehen.
00:28:02: AGLAJA ADAM: Mhm.
00:28:03: KAI KLINDT: Und was ich ganz schön fand, ich, dass mir manche erzählt haben, also manche der Mitarbeitenden, dass sich dann auch so Gruppen gebildet haben, so Whatsapp-Gruppen, die sich auch im Nachhinein auch noch weiter funktioniert haben nach der Beendigung des Aufenthalts. Und es gibt, weil Du hattest auch gefragt, so wie nachhaltig ist das Ganze? Also es gibt da überhaupt keine wissenschaftlichen Studien dazu, aber es gibt so ein paar episodische Beobachtungen, dass man Rückmeldung bekommt von den Angehörigen am Ende dieser Maßnahme, also wenn sie wieder nach Hause fahren, das hat mir jetzt richtig gut getan, ja und das und man fühlt sich auch besser gerüstet für die Situation zu Hause, für die Pflegesituation.
00:28:39: AGLAJA ADAM: Also ich stell mir einfach vor, dass es guttut, wenn man mal Abstand hat und von weiter weg auf die Situation zu Hause draufschauen kann, ohne dass man schon wieder dran denken muss, dass der nächste Tagesordnungspunkt ansteht und man jetzt gleich zum Einkaufen muss und nicht weiß, wie man das jetzt überhaupt hinbekommt. Ja, ja. Sondern dass man einfach mal Abstand hat und dann von Weitem gucken kann, wie läuft's denn wirklich und ist die Situation, so wie wir die jetzt hier seit paar Monaten hatten, überhaupt nach der Reha wieder so möglich oder müssen wir Dinge verändern?
00:29:12: KAI KLINDT: Genau, genau. Das ist wichtiger Anschuss, den man aus dieser Phase, diesen drei, fünf oder sieben Wochen auch mitnehmen kann. Es gibt auch sicherlich Angehörige, die sagen, ich will mich in der Regel ja nicht mit der Pflege beschäftigen, ich will jetzt mal was ganz anderes machen. Das gibt's natürlich auch, ja.
00:29:27: AGLAJA ADAM: Also was ich jetzt aus unserem Gespräch total mitnehm, ist, dass man wirklich sich frühzeitig kümmern sollte und dass Pflege so anstrengend ist, dass man solche Möglichkeiten wahrnehmen sollte und
00:29:40: KAI KLINDT: Ja, also was auch ganz wichtig ist, es ist kein Luxus. Also man sollte das unbedingt für sich nutzen und ich finde und da, das sehen auch einige Expertinnen und Experten so, dass man diese Kuren oder Reha genauso betrachten sollte für pflegende Angehörige, genauso betrachten sollte wie Mutter Kind Kuren beim Müttergenesungswerk. Niemand stellt deren Sinn infrage. Dass diese, bei pflegenden Angehörigen neigt man immer zu, das infrage zu stellen in Sinn vielleicht, wenn man das überhaupt weiß, dass es so etwas gibt, aber das ist es natürlich ganz und gar nicht. Und das ist sinnvoll, ratsam, in keiner Weise irgendein Privileg oder einen Luxus, wenn man diese Leistung in Anspruch nimmt.
00:30:19: AGLAJA ADAM: Ja, das finde ich auch ganz wichtig, was du da sagst.
00:30:21: KAI KLINDT: Weil pflegende Angehörige sind halt eine große Gruppe der Bevölkerung, die trotz ihrer ja Größe oft doch übersehen wird in ihren Bedürfnissen und ihrer Belastung und das können wir uns auch gar nicht mehr erlauben, auch gesellschaftlich nicht.
00:30:33: AGLAJA ADAM: Ja, also ich hoffe, dass Frau Christine Pompilii ihr ein gutes Angebot für sich findet. Sie träumt wirklich davon, einfach mal rauszukommen, was anderes zu sehen und bisschen mehr Zeit für sich selbst zu haben und wahrscheinlich geht das ganz, ganz vielen so.
00:30:47: KAI KLINDT: Das denke ich auch. Ist auch meine Beobachtung, ja.
00:30:54: AGLAJA ADAM: Wenn ihr oder sie auch eine Frage habt rund um Pflege, dann meldet euch gerne bei uns, gerne auch über den Newsletter von Kai. Vielleicht magst Du noch mal ganz kurz sagen, was das für Newsletter ist?
00:31:07: KAI KLINDT: Genau, ich darf seit einigen Monaten einen Newsletter schreiben, der heißt Pflege und Geld. Da geht's also, wie der Name schon vermuten lässt, vor allem um die finanziellen Sorgen, die mit der Pflege einhergehen können. Wir wissen, dass das viele Menschen umtreibt, die Kosten, die die Pflege verursacht, teilweise, viele Familien auch belastet und da möchten wir Hilfe und Rat geben und auch da habt ihr die Möglichkeit, zu informieren und über den Newsletter auch mir eine Nachricht zu schicken. Die Möglichkeiten, den Newsletter zu abonnieren, den Link findet ihr auch bei uns in den Shownotes.
00:31:39: AGLAJA ADAM: Und natürlich gibt's auch von gepflegt gefragt, unserem Podcast eine E-Mail-Adresse. Das ist die pflege@gesundheit-hoeren.de Achtung, hören mit o e geschrieben. Wir freuen uns sehr, wenn Sie, ihr uns schreibt.
00:31:57: KAI KLINDT: Und abonniert diesen Podcast. Wir freuen uns und sehen uns und hören uns in 14 Tagen wieder.
00:32:01: SPRECHER: gesundheit-hören - Das ist das Audioangebot der Apotheken Umschau.
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