Plötzlich Pflegefall: Was jetzt passieren muss

Shownotes

Pflege kann ganz plötzlich nötig werden – zum Bespiel nach einem Schlaganfall, wie bei der Tante von Host Aglaja Adam. Die Familie steht nun vor vielen Fragen: Wann bekommen wir einen Heimplatz? Haben wir ein Sonderkündigungsrecht für die Mietwohnung? Wer kümmert sich um das alles? Und was, wenn nicht genug Geld vorhanden ist? Gemeinsam mit Kai Klindt bespricht Aglaja Adam in dieser Folge, warum jeder Erwachsene eine Vorsorgevollmacht haben sollte, was bei einem Sozialhilfeantrag zu beachten ist und in welchen Fällen die Familie lieber nicht finanziell einspringen sollte.


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Pflegt ihr Angehörige oder seid ihr selbst pflegebedürftig? Und habt ihr euch schon mal mit Pflegekasse, Pflegegeld oder Pflegegraden herumgeplagt? Dann seid ihr bei „gepflegt gefragt“ genau richtig. In diesem Podcast beantworten wir eure Fragen rund um das Thema Pflege und helfen dabei, sich im Bürokratie-Wust zurechtzufinden. Gesundheitsjournalistin Aglaja Adam und Kai Klindt, der neben seiner journalistischen Tätigkeit als Pfleger arbeitet und studierter Altersforscher ist, sprechen in diesem Podcast mit Betroffenen und Expert:innen. Welche Hilfen kann man in Anspruch nehmen? Welche Gelder stehen einem zu Verfügung? Und wie kommt man überhaupt an einen Pflegegrad? Antworten auf diese und viele weitere Fragen hört ihr hier.

Jeden zweiten Donnerstag erscheint eine neue Folge.

Habt ihr Fragen rund um das Thema Pflege, die wir im Podcast beantworten sollen? Dann schreibt uns an: pflege@gesundheit-hoeren.de

Diesen und weitere Gesundheitspodcasts gibt es auf www.gesundheit-hoeren.de


Das Team hinter „gepflegt gefragt“:

Hosts: Aglaja Adam, Kai Klindt;

Redaktion: Kari Kungel, Constanze Radnoti;

Postproduktion: Benedikt Möltner, Yves Seißler;

Chefredakteur: Dr. Dennis Ballwieser


[ANZEIGE] Mehr über die Angebote unserer aktuellen Werbepartner gibt es unter https://www.apotheken-umschau.de/podcast/partner

Transkript anzeigen

00:00:03: SPRECHER: gesundheit-hören.

00:00:10: KAI KLINDT: Herzlich willkommen zu gepflegt gefragt. In diesem Podcast beantworten wir eure Fragen rund um die Pflege zu Hause. Für Menschen, die pflegebedürftig sind und für alle, die sich um pflegebedürftige Menschen kümmern.

00:00:22: AGLAJA ADAM: Ich bin Aglaja Adam, Gesundheitsjournalistin bei der Apotheken Umschau.

00:00:26: KAI KLINDT: Und ich bin Kai Klindt, bin auch Gesundheitsjournalist bei der Apotheken Umschau und Pflegefachkraft.

00:00:32: AGLAJA ADAM: gepflegt gefragt ist ein Podcast von gesundheit-hören, das ist das Audioangebot der Apotheken Umschau. Und diese Folge ist was ganz Besonderes für mich, denn es geht um meine Tante, die nach einem Schlaganfall ganz plötzlich pflegebedürftig wurde.

00:00:46: KAI KLINDT: Ja, ich bin dir dankbar, Aglaja, dass Du uns an dieser Situation teilhaben lässt. Ja, darüber sprechen wir heute und dann denke ich mal, lasst uns starten. Ja, Aglaja, jetzt bin ich ja gespannt, wie eure Situation ist, wie es deiner Tante geht. Vielleicht kannst Du uns da bisschen mehr erzählen dazu.

00:01:10: AGLAJA ADAM: Genau, also ich beschreib mal die ganze Situation. Das Ganze hat vor drei Monaten uns ganz plötzlich überrumpelt. Meine Tante hat einen schweren Schlaganfall gehabt und kam dann akut erst mal natürlich ins Krankenhaus, dann in eine Reha, wo sie jetzt drei Monate lang war. Das ist bei Schlaganfall was Besonderes, da wird die Reha oft verlängert, wenn noch Fortschritte zu erwarten sind. Und das ist macht auch die Situation schwierig, dazu kommen wir nachher noch, denn wir wussten einfach von Anfang an nicht genau, was für Fortschritte sind noch zu erwarten, was wird die Zukunft bringen? Sie hat vorher ganz selbstständig in ihrer Wohnung gelebt. Wir wussten nicht, wird es da jemals einen Weg wieder zurückgeben? Brauchen wir einen Heimplatz? Es war wirklich sehr belastend und natürlich auch Schock für uns alle emotional. Wir haben uns natürlich auch Sorgen um meine Tante gemacht, aber auch organisatorisch war das Ganze sehr herausfordernd oder ist immer noch herausfordernd.

00:02:13: KAI KLINDT: Ja, das klingt sehr belastend und es ist ja auch eine Zeit großer Unsicherheit, die ihr durchgemacht habt. Und deine Tante vor allen Dingen.

00:02:21: AGLAJA ADAM: Ja, meine Tante. Meine Tante ist alleinstehend, hat auch keine Kinder. Das heißt, es war auch dann erst mal die Frage in der Familie, wer kümmert sich jetzt um das ganze Organisatorische? Wer nimmt da jetzt die Fäden in die Hand? Wer setzt den Hut auf? Und meine Schwester, die ist 41 und hat drei Kinder, hat dann aber gesagt, sie würde das machen und hat dann die Vorsorgevollmacht übernommen, einfach um auch einen Ansprechpartner oder eine Ansprechpartnerin zu haben. Ja, jetzt ist es natürlich so, dass unsere ganze Familie da mithilft und wir alle zusammen gemerkt haben, Wahnsinn, wie viele Fragen da dann plötzlich offen sind, was man da alles beachten muss. Von wie das mit den finanziellen Dingern ist, über wie kommt man überhaupt an einen Heimplatz? Ich hab dazu eben auch noch mal mit meiner Schwester gesprochen, die ja noch mehr als ich an der vordersten Front kämpft. Lass uns doch mal hören, was Sie grade so alles beschäftigt.

00:03:20: KAI KLINDT: Ja, sehr gerne.

00:03:21: ANJA ADAM: Ich hab die Vorsorgevollmacht ad hoc übernommen und mir sind dann ganz viele Fragen aufgekommen, weil sie eben von der Klinik in die Reha gekommen ist und es war recht schnell klar, dass sie nicht mehr zurück in ihre eigene Wohnung kann. Und da hab ich mich dann gefragt, um was müssen wir uns jetzt kümmern? Können wir die Wohnung schon kündigen? Wann ist der richtige Zeitpunkt? Wann wird sie einen Heimplatz bekommen? Wer übernimmt die Kosten überhaupt? Ich weiß, dass sie wenig Rente bekommt. Davon kann sie sich die Heimkosten nicht leisten. Wann müssen wir die Wohnung überhaupt kündigen? Es fallen dann am Ende doppelt Kosten an. Die Miete läuft weiter und sie soll auch noch das Heim bezahlen. Wer soll das bezahlen? Wann muss man da wo welchen Antrag stellen?

00:04:06: AGLAJA ADAM: Also Du hörst schon Fragen über Fragen.

00:04:09: KAI KLINDT: Ja.

00:04:10: AGLAJA ADAM: Seit Monaten sind wir da uns am Durchkämpfen. Wahrscheinlich müssen wir das Ganze jetzt eins nach dem anderen aufdröseln. Es war jetzt einfach bisschen sehr viel, was meine Schwester da alles gefragt hat. Was meinst Du, was ist das Wichtigste jetzt erst mal in so Situation?

00:04:26: KAI KLINDT: Also ich finde, was deine Schwester erzählt hat, zeigt sehr schön, das heißt schön, es ist überhaupt nicht schön, aber es zeigt sehr deutlich, dass in so einer Situation zu vielen Fragen, die man sich stellt, auch noch die emotionale Belastung kommt, die Überforderung, überhaupt der Umgang mit dieser schweren Erkrankung in der Familie. Und ja, die Frage ist, was macht man als Erstes? Also ich glaub, ihr habt schon einiges auch richtig gemacht, weil ihr habt recht schnell geklärt, wer sich zum Beispiel um die Vorsorgevollmacht kümmert. Das ist ganz wichtiger Punkt. Vorsorgevollmacht sollte eigentlich jeder Mensch, jeder erwachsene Mensch haben. Das ist vielleicht für den Achtzehn-, Zwanzigjährigen nicht ganz so entscheidend wie für ältere Menschen, aber zumindest ab 50 sollte man sich dazu Gedanken gemacht haben, dass man im Fall einer schweren Erkrankung, wo man nicht mehr in der Lage ist, sich um seine Angelegenheiten, sei es gesundheitlich oder finanziell zu kümmern, wer da halt auch die Verantwortung übernehmen kann für mich, der ich betroffen bin. Und das habt ihr ja sehr schnell geklärt, ja. Das war das war schon mal ganz gut, finde ich.

00:05:22: AGLAJA ADAM: Das klingt so, als ob wir das schnell geklärt haben. Es war auch schnell, aber es war auch nicht so, dass meine Tante viel vorbereitet hatte. Sie ist 74 und wir haben nicht damit gerechnet, dass jetzt sowas passiert. Sie war, wie gesagt, davor ganz selbstständig, hat keine eigenen Kinder. Es war schon, ja, es war schon alles sehr chaotisch und ja, wir sind natürlich froh alle in der Familie, dass meine Schwester die Vorsorgevollmacht übernommen hat.

00:05:46: KAI KLINDT: Ja. Es ist in so einer Situation ganz wichtig, dass man nicht alleine ist, sag ich mal, auch als Familie nicht alleine ist, sondern dass man Beratungsmöglichkeiten nutzt. Das sagt sich immer so schnell dahin, aber es ist ganz entscheidend, dass man zum Beispiel zu einer Pflegeberatungsstelle geht, einem Pflegestützpunkt, je nach Bundesland, die Versorgungslandschaft mit Beratungsstellen ist von Bundesland zu Bundesland verschieden, aber oft sind es Pflegestützpunkte, dass man den Kliniksozialdienst kontaktiert, der sich um die Entlassung ja auch kümmert, um das Entlassmanagement kümmert, dass man aber auch zum Beispiel und daran denken viele nicht, eine Selbsthilfegruppe kontaktiert. Es gibt für Schlaganfall auch eine große, ich sag mal, Selbsthilfegruppenszene und die sind ja auch für Angehörige da.

00:06:31: AGLAJA ADAM: Also bei uns war das jetzt natürlich erst mal so, dass wir am Anfang uns um den gesundheitlichen Zustand von meiner Tante ganz große Sorgen gemacht und wir waren auch sehr froh, dass im Krankenhaus ganz viel schon geklärt wurde. Der Rehaplatz wurde organisiert, der Transport dahin wurde übernommen. Auch dort waren wir immer gut beraten. Trotzdem war natürlich immer son bisschen im Hinterkopf schon, wie wird es weitergehen? Und das Schwierige war, dass uns eigentlich niemand sagen konnte, wie sich der gesundheitliche Zustand noch verbessern wird. Also sie ist halbseitig links gelähmt, weil sie leider relativ lange auch allein in ihrer Wohnung lag. Und die Ärztinnen und Ärzte haben uns dann schon gesagt, es könnte sein, dass sich da noch was tut, aber man weiß das einfach nicht. Also man muss wohl bei Schlaganfall wirklich von Woche zu Woche gucken.

00:07:25: KAI KLINDT: Genau.

00:07:26: AGLAJA ADAM: Und das ist sehr belastend, weil wir natürlich diese Wohnung noch von ihr hatten. Sie bekommt nur eine kleine Rente. Uns war irgendwie auch klar, dass es auf Dauer nicht so sein wird, dass sie diese Wohnung behalten kann und wir eventuell schon einen Heimplatz suchen. Und wir haben uns dann erst mal son bisschen vielleicht auch, weil wir natürlich alle die große Hoffnung hatten, dass sie vielleicht mit irgendwie einer 24 Stunden Pflege oder sogar ein Wunder geschieht und sie kann so wieder in ihre Wohnung, haben wir natürlich diese Wohnung noch nicht gekündigt.

00:08:01: KAI KLINDT: Klar.

00:08:01: AGLAJA ADAM: Und als wir uns dann informiert haben, waren wir dann überrascht, als uns dann klar wurde, dass sie nicht mehr in die Wohnung zurück kann, dass man, wenn man akut pflegebedürftig wird, also wenn man wirklich von einem Tag auf den anderen ein schwerer Pflegefall wird, dass man dann kein Sonderkündigungsrecht hat bei Mietwohnung. Oder haben wir da irgendwas übersehen?

00:08:24: KAI KLINDT: Na ja, also es gibt kein Sonderkündigungsrecht. Also man kann da normal mit Kündigungsfrist kündigen, was einem in der Situation wahrscheinlich nicht viel weiterhilft, weil man würde das natürlich gern schneller beenden. Man kann natürlich mit seinem Vermieter sprechen, mit der oder Vermieterin, dass man da zu einer einvernehmlichen Lösung kommt. Das ist sicherlich abhängig vom Goodwill, sag ich mal, des Vermieters. Es ist aber auch so, dass wenn absehbar ist, dass Sozialhilfe nötig wird, weil die Heimkosten einfach die Möglichkeiten der betroffenen Person, also in dem Fall deiner Tante, übersteigen, das Sozialamt kommt auch auf für die doppelte Miete, sag ich mal, für die Miete, also in der Wohnung und die Kosten im Heim, allerdings maximal für drei Monate, ja.

00:09:05: AGLAJA ADAM: Genau, also es hat bisschen gedauert, bis wir das auch rausgefunden hatten. Das hat uns natürlich auf der einen Seite beruhigt, auf der anderen Seite war die Entscheidung trotzdem noch schwierig, weil wir eben nicht genau wussten, zu welchem Termin sie denn jetzt wirklich in ein Heim umziehen wird, weil wir nicht wussten, wie oft und wie lange diese Rehamaßnahme noch verlängert wird. Von daher wussten wir auch nie genau, wann können wir oder können, es klingt so schön, wann müssen wir die Wohnung kündigen? Weil was ich auch noch sagen muss, meine Tante hat durch den Schlaganfall zwar ganz starke Einschränkungen, was ihre Beweglichkeit angeht.

00:09:41: KAI KLINDT: Ja, körperlich.

00:09:42: AGLAJA ADAM: Körperlich, aber sie ist geistig eigentlich ganz normal da und weiß alles und hat natürlich auch jetzt einfach dieses Trauma erst mal, dass sie Schlaganfall hatte und auch, dass sie jetzt von einem Tag auf den anderen ihr altes Leben nicht mehr weiterführen kann. Und das ist für uns alle schon eine große Überwindung gewesen, uns zu entscheiden, dass wir dann jetzt auch wirklich die Wohnung kündigen, weil damit geht ja wirklich auch son Lebensabschnitt dann zu Ende.

00:10:11: KAI KLINDT: Genau. Das ist ja auch, man hat ja auch eine emotionale Bindung an die Wohnung. Ich vermute mal, dass deine Tante schon sehr lange in ihrer Wohnung lebt. Ja, natürlich, das ist ganz großer Einschnitt,

00:10:21: AGLAJA ADAM: Ja, genau. Und dann hattest Du noch den Punkt angesprochen, dass natürlich auch, wenn die Rente dann nicht reicht für die Heimkosten, man ja einen Sozialhilfeantrag stellen kann. Auch das hat bei uns leider, ist bei uns leider die Realität. Meine Schwester hat das auch ganz früh, als sie dann die Finanzen von meiner Tante überblickt hat, gesehen, dass wir da auf jeden Fall Hilfe beantragen müssen.

00:10:46: AGLAJA ADAM: Wir waren dann trotzdem unsicher, wann man das eigentlich macht, weil wir hatten ja noch gar keinen Heimplatz und sie bekommt ja eine Rente und bislang die Kosten für die Reha liefen ja über die Krankenkasse. Deswegen war das wirklich auch so die Frage, wann beantragt man das überhaupt und ja, wann hat man überhaupt auch den Anspruch darauf?

00:11:08: KAI KLINDT: Genau. Die Frage ist, wann ist der richtige Zeitpunkt, um eine um Sozialhilfe zu beantragen, ne, für die Pflege im Heim.

00:11:15: AGLAJA ADAM: Genau, macht man das im Prinzip schon, bevor man den Heimplatz hat, erst wenn man einen Heimplatz hat? Was muss man da beachten?

00:11:22: KAI KLINDT: Ja, also es ist so, dass das Sozialamt bitte im Allgemeinen den Antrag erst dann bearbeiten, wenn der Einzug klar ist und der Termin auch steht. Es ist aber unbedingt ratsam, dass man sich schon vorher informiert beim Sozialamt, welche, ja, welche Formulare man braucht überhaupt. Man braucht, son Sozialhilfeantrag ist relativ aufwendig. Man muss sehr viele Kontoauszüge und die Pflegegradbescheinigung und Auskünfte über die Kinder beifügen in der Regel und dass man das schon mal alles zusammen hat. Das ist auf jeden Fall sinnvoll.

00:11:52: AGLAJA ADAM: Das war sehr viel Arbeit.

00:11:53: KAI KLINDT: Ja, das glaube ich. Ja, ja. Das habt ihr aber alleine geschafft dann.

00:11:57: AGLAJA ADAM: Ja, sie hat Gott sei Dank alles in Ordnern und nachdem ihre finanzielle Situation jetzt nicht so dass es sehr viel Vermögen gibt oder so, war das übersichtlich und sie hat ja auch eben keine direkten Angehörigen. Von dem her mussten wir jetzt auch nicht ganz viel suchen, aber es war trotzdem von eben der Geburtsurkunde über die Kontoauszüge der letzten drei Monate alle Versicherungspolicen, die relevant sind.

00:12:21: KAI KLINDT: Genau. Ist eine lange Liste, ja, die man da abhaken muss an Dokumenten, wo man vielleicht manchmal gar nicht weiß, wo die überhaupt sind, weil man sie ja Jahre oder Jahrzehnte lang nicht in der Hand gehabt hat. Wir haben da aber auch mit Silke Lachemaier gesprochen. Sie ist Expertin, Pflegeexpertin bei der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz und kennt sich auch grad mit diesem Thema Hilfe zur Pflege, so heißt nämlich die Sozialhilfe in Pflegesituationen offiziell, kennt sich da sehr kompetent aus.

00:12:51: SILKE LACHENMAIER: Im Übrigen sollte der Antrag dann aber offiziell spätestens mit Eintritt in die Einrichtung gestellt werden, weil das Sozialamt zahlt frühestens ab dem Zeitpunkt der Antragstellung. Wenn die Person jetzt schon mal vier Wochen im Heim lebt und dann der Antrag erst gestellt wird, dann kommt das Sozialamt für die bis dahin entstandenen offenen Kosten nicht auf.

00:13:14: KAI KLINDT: Ja, ganz wichtiger Punkt.

00:13:15: AGLAJA ADAM: Ja, das ist nämlich auch das, was uns umgetrieben hat oder immer noch umtreibt. Wir konnten den Antrag ja schon anfangen zu stellen, aber uns haben auch noch ganz viele wichtige Dokumente gefehlt, zum Beispiel der Heimvertrag oder die Pflegegrad Einstufung.

00:13:30: KAI KLINDT: Genau.

00:13:30: AGLAJA ADAM: Und wir sind jetzt auch nicht ganz sicher, wie lange die Bearbeitung dauert, also bis wann das Sozialamt dann wirklich auch die Kosten übernimmt und sind unsicher, wie das denn jetzt weitergeht, weil ja momentan auch noch, also die Wohnung haben wir jetzt fristgerecht gekündigt. Übrigens ist der Umzug ins Heim genau heute.

00:13:52: KAI KLINDT: Ah. Großer Tag.

00:13:53: AGLAJA ADAM: Ja, großer Tag. Und jetzt ist es eben so, dass wir immer noch drei Monate die Mietkosten zu stemmen haben und die Heimkosten laufen ja schon an. Und das ist 'n ziemlicher Batzen. Also das Heim, sie wird wahrscheinlich Pflegegrad 4 sogar bekommen, kostet über 4000 Euro und mit 'ner kleinen Rente ist da natürlich gar nichts zu machen. Und auch das Konto kann diesbezüglich ja nicht belastet werden, weil das geht dann so ins Minus, dass wir auch Sorge haben, dass dann die Bank sich bei uns meldet. Und ja, also am Anfang haben wir dann auch gedacht, müssen wir das irgendwie ausgleichen? Aber als ich da auch schon mit dir gesprochen habe, hab ich gehört, das ist gar keine gute Idee.

00:14:40: KAI KLINDT: Ja, genau. Also es ist so, erst mal vielleicht zur Bearbeitung des Sozialvertrags. Die Bearbeitungszeit, die die kann unterschiedlich lange sein. Also es kann relativ schnell gehen, wenn die Vermögensverhältnisse klar sind und die Einkunftsverhältnisse und wenn die, wenn alle Unterlagen vorliegen, was ja mitunter schwierig sein kann, wie wir von jetzt auch von dir wieder gehört haben und dann kann das in vier Wochen vielleicht dauern, es kann aber auch Monate dauern, wenn eben Unterlagen fehlen oder wenn die Vermögensprüfung länger dauert.

00:15:12: AGLAJA ADAM: Aber wenn das Monate dauert, dann bleiben ja die Kosten offen. Also was ist dann mit den Heimkosten in der Zwischenzeit?

00:15:20: KAI KLINDT: Also im Fall deiner Tante, um das konkret zu beantworten, ist es so, dass deine Tante würde ihr Einkommen, dass sie zur Verfügung steht, also ihre Rente wahrscheinlich vor allen Dingen hauptsächlich komplett verwenden, a für die Mietzahlung und b, was dann noch übrig ist, für die Heimkosten. Und das, was alles drüber hinausgeht, würde erst mal als Schulden beim Heim auflaufen. So ist es meistens geregelt und dann irgendwann wird das Sozialamt diese Kosten dann decken.

00:15:49: AGLAJA ADAM: Das bedeutet, wir als Familienangehörige müssen jetzt nicht vorübergehend diese Heimkosten übernehmen?

00:15:58: KAI KLINDT: Genau. Das solltet ihr auch nicht tun, weil wenn ihr vonseiten der Angehörigen, also ihr jetzt Nichten jetzt zum Beispiel eure Tante finanziell unter die Arme greifen möchtet, was ja menschlich verständlich ist, würde aber dem gegenüber dem Sozialamt signalisiert werden, da ist gar keine Bedürftigkeit da. Es gibt ja Geld, das der Tante auf dem Weg einer Schenkung von euch eben zur Verfügung stehen würde und dann entsteht vielleicht gar keinen Fall oder gar kein Grund, Sozialhilfeleistung zu gewähren.

00:16:29: SILKE LACHENMAIER: Was man auf keinen Fall tun sollte, ist zum einen, das Schonvermögen zu verwenden. Und was man auch wirklich unterlassen sollte, ist, dass jetzt ein Angehöriger hingeht und sagt, ich habe die finanziellen Mittel. Ich springe jetzt mal übergangsweise ein und bezahle jetzt aus meinem eigenen Einkommen oder Vermögen die Heimrechnungen. In dem Trugschluss, der Antrag beim Sozialamt ist ja gestellt und das Geld bekomme ich ja sicherlich zurück. Das ist nicht so. Also das sollte wirklich tunlichst vermieden werden.

00:17:00: AGLAJA ADAM: Jetzt hat Frau Lachenmaier den Begriff Schonvermögen aufgebracht. Das war für mich auch ganz neuer Begriff. Magst Du mal ganz kurz erklären, was das bedeutet?

00:17:10: KAI KLINDT: Ja, das ist Vermögen, also es können z.B. Ersparnisse sein, auch vielleicht eine Lebensversicherung, Aktien, was auch immer, was bei der Sozialhilfe geschützt bleibt. Das heißt, da wird nicht erwartet von Seiten des Sozialamts, dass die betroffene Person, in dem Fall deine Tante, das angreift.

00:17:27: AGLAJA ADAM: In welcher Höhe?

00:17:28: KAI KLINDT: Das beträgt 10000 Euro für eine einzelne Person und für Paare sind es dann 20000 Euro.

00:17:34: AGLAJA ADAM: Also das heißt, man darf 10000 Euro behalten.

00:17:38: KAI KLINDT: Genau.

00:17:38: AGLAJA ADAM: Wenn man mehr Vermögen hat, dann muss man natürlich logischerweise, dann stellt man ja auch keinen Antrag auf Sozialhilfe, dann muss man erst mal die eigenen Ersparnisse aufbrauchen, aber 10000 Euro, in welcher Form auch immer, darf man noch behalten.

00:17:53: KAI KLINDT: Genau. Und auch da hat Frau Lachmaier wichtigen Hinweis gegeben, dieses Schonvermögen von 10000 Euro sollte man auch gar nicht erst angreifen für die Bezahlung der Heimkosten.

00:18:04: SILKE LACHENMAIER: Der klassische Irrtum ist natürlich immer, dass gemeint wird, ich hab einen Anspruch auf Sozialhilfe erst dann, wenn ich wirklich gar nichts mehr habe. Also sprich, dieses Schonvermögen, das ist vielen einfach nicht bekannt und deswegen wird das ganz häufig einfach auch verbraucht. Und natürlich 10000 Euro sind viel Geld, aber diese 10000 Euro, die darf ich nun mal als Schonvermögen behalten. Und wenn ich diese Grenze erreicht habe, dann habe ich unter Umständen auch einen Sozialhilfeanspruch. Das ist einfach vielen nicht bekannt und das ist ein ganz, ganz großer Irrtum, dass auf meinem Konto nicht oder auf meinem Sparbuch nicht die Zahl 0 erscheinen muss, damit ich überhaupt erst Sozialhilfeantrag stellen darf.

00:18:41: KAI KLINDT: Ja, wird gerne falsch gemacht oder vergessen, ja.

00:18:44: AGLAJA ADAM: Was heißt falsch gemacht? Man will ja alles richtig machen und wenn dann noch Geld da ist und man weiß, jetzt kommen plötzlich diese wahnsinnig hohen Heimkosten auf einen zu, finde ich, ist auch der erste Reflex, dass man's natürlich bezahlen möchte. Man möchte ja nicht den Sozialstaat ausnutzen und es sich da irgendwie bereichern. Deswegen finde ich das interessant mit den 10000 Euro, dass man die behalten darf.

00:19:07: KAI KLINDT: Genau und auch mit den Rechnungen, die gleich vom Heim kommen, ist ja auch so, also mir geht es so, wahrscheinlich geht es meistens so, man lebt nicht gern mit unbezahlten Rechnungen und ich würde es würde es natürlich gerne auch geklärt haben. Es ist auch so, das haben mir ja auch Menschen erzählt, die in der Pflegeberatung täglich tätig sind, es ist wohl so, dass auch Heime zum Teil die Angehörigen bitten, dann die Bürgschaft zu übernehmen für Heimkosten. Und oft werden diese Formulare dann im Zusammenhang mit der Heimvertragsunterzeichnung, da muss man ja eh viele Formulare unterschreiben, den Angehörigen vorgelegt und ohne zu wissen, worauf sie sich denn einlassen, unterschreiben wohl auch manche Angehörigen diese Bürgschaft. Das machen nicht alle Heime, aber manche machen das wohl. Und dann kann es halt passieren, dass man dann wirklich zur Kasse gebeten wird und dass nicht das Heim da in Vorleistung tritt, sondern dann wieder die Angehörigen, die aber das Geld von der sozial vom Sozialamt nicht wieder bekommen. Das ist auch wichtiger Punkt. Man muss auch die Heime son bisschen, man kann sie verstehen, weil Heime treten in Vorleistung und Heime sind, anders als es vielleicht manchmal so in der Öffentlichkeit dargestellt wird, sind im Allgemeinen auch keine Goldesel. Also man kann mit Heimen natürlich Geld verdienen, es gibt ja private Träger, aber die Kosten im Heim sind so stark reguliert gesetzlich durch Vorgaben, eine Heimaufsicht, durch Qualitätsprüfungen des medizinischen Dienstes, dass da wenig Spielraum ist und Heime können auch, wenn das häufiger vorkommt, dass Sozialhilfeleistungen ausbleiben, weil der Antrag noch weiter bearbeitet wird, auch durchaus finanzielle Probleme bekommen.

00:20:40: AGLAJA ADAM: Ja, das sehe ich genauso. Also vor allen Dingen allein schon, wenn ich überlege, wie viele Menschen da arbeiten und wertvolle Arbeit leisten und pflegebedürftige Menschen sich um die kümmern und ich möchte natürlich, dass sie ihr Gehalt bekommen und ihren Lohn. Verstehe ich sehr gut, dass die Heime da auch in die Bredouille kommen, wenn die Sozialämter die Anträge nicht schnell genug bearbeiten oder bearbeiten können, weil Unterlagen fehlen.

00:21:05: SILKE LACHENMAIER: Vor allen ist es für alle Beteiligten ein großes Problem. Man muss natürlich auch die Einrichtungen sehen. Die Einrichtungen bekommen im Prinzip, wenn sie Glück haben, nur die Rente abgeführt und die anderen Kosten bleiben erst mal offen. Sie gehen aber im Prinzip mit der Pflege in Vorleistung. Sie erbringen jeden Tag, jeden Monat die Pflege, bekommen das aber aufgrund des laufenden Antragsverfahrens nicht vergütet. Auf der anderen Seite haben wir natürlich die Angehörigen, für die das auch nicht angenehm ist, dass sie hier im Prinzip die Rechnung nicht vollständig gezahlt bekommen oder nicht zahlen können. Und dadurch entsteht natürlich in diesem Dreiecksverhältnis zwischen Sozialamt, Einrichtung, pflegebedürftige Personen und die Angehörigen eine ganz schwierige Situation, die für alle im höchsten Maße dann auch belastend ist.

00:21:50: AGLAJA ADAM: Ja, also genau das kann ich unterschreiben. Es ist wirklich belastend, auch für uns momentan noch, weil wir einfach ja in so schwebenden Zustand sind. Der Antrag ist jetzt so weit ausgefüllt. Wir haben natürlich noch keine Genehmigung. Wir haben auch noch gar nicht Bescheid bekommen, ob er schon bearbeitet wird. Gleichzeitig ist jetzt schon der Umzug ins Heim. Die Mietkosten laufen noch drei Monate weiter und da bleibt immer im Hinterkopf so der Gedanke, wird jetzt wirklich alles genehmigt und wird jetzt wirklich alles bezahlt und wird jetzt alles gut? Also man ist da die ganze Zeit sehr angespannt.

00:22:22: KAI KLINDT: Wie geht's eigentlich deiner Tante damit? Mit diesem Prozess, auch mit diesen organisatorischen Fragen, die ihr jetzt grad klären müsst, mit dem Umzug ins Heim, mit den mit der Finanzierung?

00:22:32: AGLAJA ADAM: Ja, das ist natürlich für sie auch alles sehr belastend. Sie sieht auch, dass meine Schwester wahnsinnig viel Arbeit hat und das möchte ja keiner, dass jemand anderer so viel Arbeit mit einem hat. Und meine Schwester macht es echt toll, aber also sie sagt auch, dass es ihr natürlich auch an die Substanz geht.

00:22:51: ANJA ADAM: Also ich war, wie gesagt, in so Funktionsmodus und der hält an. Also ich hab meine Emotionen teilweise dann ganz weit hinten angestellt, aber ich hab natürlich mit meiner Familie eine kurze Zündschnur, auch mit meinen eigenen Kindern, weil mir so viel Sachen im Kopf rumspuken, eben diese ganzen Fragen, die wir vorher erklärt haben mit Wohnungskündigung, Sozialamt, dann die Termine, dass es da diese Sprechstunde im Landratsamt gibt. Wann geh ich denn da hin? Wann hab ich da Zeit, weil ich arbeite eigentlich ja auch noch. Also wie krieg ich denn noch so ne Mammutaufgabe noch in meinen normalen Alltag eingebunden? Und es funktioniert eigentlich, find ich, ganz gut, aber mir fallen natürlich andere Sachen hinten runter.

00:23:29: KAI KLINDT: Ja, das ist so typisch, man wächst so über sich hinaus in so einer Situation, die so plötzlich bei einen hereinbricht als Familie, aber auf Dauer kann man das natürlich nicht tragen und das ist natürlich ganz wichtig, dass man trotz allem, trotz dieser ganzen Belastungen und Aufgaben, Herausforderungen auch an sich und an seine eigenen Bedürfnisse denkt.

00:23:46: AGLAJA ADAM: Ja. Also das ist in der Situation natürlich sehr schwierig, wenn's grade alles so akut ist und man denkt dann auch immer, hat es irgendwann ein Ende, wird es irgendwann wieder einfacher? Wir hoffen's natürlich sehr und meine Schwester hat sich Gott sei Dank auch Hilfe gesucht eben und Beratungsstellen aufgesucht, aber…

00:24:03: KAI KLINDT: Ist sicherlich guter Schritt. Es ist sicherlich auch immer hilfreich, je nachdem, wie die Situation in der Familie ist, dass man die Pflege, die Aufgaben, dass man das so auf mehrere Köpfe verteilt, wenn das geht. Dass der eine sich gleich mehr um die Organisation kümmert und der andere um das Praktische. Wieder jemand, der vielleicht hauptsächlich die Besuche macht in der Rehaklinik, dann dass man sich son bisschen aufteilt und dass man je nach Möglichkeit und auch vielleicht nach Neigung auch, dass man da die Belastung so breit es geht auch verteilt auf verschiedene, auf mehrere Köpfe.

00:24:35: AGLAJA ADAM: Genau. Also es ist natürlich auch immer so, dass wahrscheinlich, wenn jetzt ein Ehepartner in die Pflegebedürftigkeit kommt oder die eigenen Eltern, dass man dann noch mal mehr sofort sich verantwortlich fühlt. Bei uns war das ja jetzt auch son ganz besonderer Fall, dass es sich um unsere Tante handelt. Und es war auch wirklich zuerst im Familienrat, wer denn jetzt diese Vorsorgevollmacht übernimmt. Und was Du eben grad gesagt hast, man muss auch gucken, wer da vielleicht auch am kompetentesten ist oder am meisten Erfahrung hat mit so Anträgen, wer vielleicht auch digital am besten aufgestellt. Und was uns wirklich aufgefallen ist und das ist ja jetzt auch interessant, weil wir in dem Podcast schon so oft Menschen hatten, die Angehörige pflegen, dass das auch für junge Menschen, die wirklich im Berufsleben stehen, die fit sind, was Digitales angeht, die jeden Tag Schriftverkehr haben und Briefe, E-Mails beantworten, trotzdem ist es wirklich nicht ganz einfach, sich durch diesen Berg an Anträgen und Papier zu wühlen und meine Schwester leistet da wirklich Großartiges. Aber wie Du sagst, die ganze Familie unterstützt natürlich jeder so, wie er kann, weil das merkt man erst, was es für eine Herausforderung ist, wenn man selber mal drinsteckt.

00:25:56: KAI KLINDT: Ja und dann nützt auch viel Wissen im Hintergrund vielleicht gar nicht so viel, ne. Also wir beide sprechen ja öfter über diese Themen und denke mal, haben wahrscheinlich auch bisschen Zugang zu diesen Themen und haben gewisses Wissen, aber in der Situation ist man trotzdem überfordert. Also ich hab diese Erfahrung auch gemacht bei uns in der Familie. Wo dann, wo's um die Frage ging, wie organisieren wir Pflege zu Hause und oder in einem Heim und welche Fragen müssen da geklärt werden. Trotz allem Wissen, das man hat, ist emotionale und mentale Herausforderung so groß, dass sie auch für die Leute, die eben ja beruflich oder anderweitig Bezug zu den Themen haben, schwierig ist.

00:26:32: AGLAJA ADAM: Ja. Und dieses Emotionale ist einfach wirklich nicht zu unterschätzen. Es ging auch bei uns jetzt bei der Wohnungskündigung. Natürlich sagt der reine Menschenverstand einem dann schon früh, dass es wahrscheinlich kein Zurück mehr gibt, weil die Person, also unsere Tante einfach so pflegebedürftig ist, dass sie nicht mehr alleine da leben kann. Trotzdem fiel uns dieser Schritt, diese Kündigung wirklich zu machen, wahnsinnig schwer und das denkt man vorher nicht, weil im Prinzip ist es ja eigentlich einfach ein Schritt nach dem anderen und das muss getan werden. Aber wenn man drinsteckt, ist es so, dass man doch irgendwie auch Emotionen hat und vielleicht mal einen Tag braucht, um damit klarzukommen, dass man das jetzt wirklich anpacken muss. Und da kann ich mir auch vorstellen, dass grade auch so Sozialhilfeanträge dann vielleicht manchmal länger dauern, dass Menschen Schwierigkeiten haben, das alles auf einmal zu bewältigen, weil man hat ja gleichzeitig noch diesen Menschen, der plötzlich so hilfsbedürftig ist.

00:27:27: KAI KLINDT: Ja, ja, da kommt so viel zusammen, finanziell, organisatorisch, aber eben vor allem auch menschlich, emotional. Und ich vermute mal, ihr werdet wahrscheinlich die Wohnung auflösen, den Haushalt auflösen? Das ist ja auch noch mal großer Schritt.

00:27:40: AGLAJA ADAM: Ja, gut, dass Du das ansprichst. Es war nämlich auch noch was, was uns sehr beschäftigt hat. Wir müssen die Wohnung auch ausräumen beziehungsweise haben wir herausgefunden, das vielleicht auch noch Tipp für alle, die uns zuhören, dass eine Entrümpelung auch vom Sozialamt übernommen wird. Und das Wort Entrümpelung fühlt sich aber einfach ganz falsch an, weil wir ja eigentlich nicht entrümpeln wollen, sondern wir sind jetzt auch froh, dass wir diese drei Monate Kündigungsschutz noch haben, wo wir doch so langsam, langsam noch mal reingehen können in die Wohnung, mal auch bisschen durchzuschauen und persönliche Gegenstände zu retten.

00:28:16: KAI KLINDT: Ja, ist auch so, wenn die Wohnung noch mal renoviert werden müsste, je nach Mietvertrag ist das ja so, würde auch das gegebenenfalls das Sozialamt übernehmen, sofern Kostenvoranschläge vorgelegt werden, so ähnlich wie bei der, ich sag mal in Anführungszeichen, „Entrümpelung“ auch. Ich finde auch, das ist schreckliches Wort, weil im Grunde geht's ja darum, dass man ja fast ein Leben auflöst, da zumindest so ein und eine Art großer Teil der Biografie fällt dann da weg und das ist Entrümpelung ist schon ein hartes Wort, auch wenn es vielleicht den Vorgang sachlich richtig beschreibt, ja.

00:28:49: AGLAJA ADAM: Ja, ja. Weil Du vorher auch gefragt hast, wie's meiner Tante damit geht. Es ist natürlich auch für diesen Menschen, der plötzlich komplett pflegebedürftig ist, ein wahnsinniger Einschnitt und irgendwie zumindest diese Verlässlichkeit, dass sie jetzt einen Heimplatz hat und wir sind auch bis jetzt sehr positiv von diesem Heim beeindruckt. Also die sind da sehr nett und das Zimmer ist ganz gemütlich und wir können, wie gesagt, noch persönliche Gegenstände dahin bringen. Das ist schon eine Beruhigung.

00:29:16: KAI KLINDT: Auch eine Beruhigung für Sie?

00:29:17: AGLAJA ADAM: Ja. Denk schon.

00:29:19: KAI KLINDT: Ja. Abschließend kann man vielleicht sagen, dass das Thema Sozialhilfe im Heim hat ja, ich sag mal, keinen schönen Klang und es wird ja auch in den Medien oft sehr kritisch betrachtet, auch nicht ohne Grund, denke ich mal. Ich möchte aber trotzdem ausdrücklich betonen, dass es sich niemand scheuen muss, einen Sozialhilfeantrag zu stellen und dass auch Scham unangebracht ist, auch wenn man sie vielleicht nachvollziehen kann. Aber Sozialhilfe für Pflegeleistungen im Heim ist einfach ein Anspruch, den die Menschen haben, den sie sich auch zurecht erworben haben. Sie haben ja auch oft jahrzehntelang Steuern gezahlt. Das wird ja aus Steuern bezahlt und es ist für mich auch etwas Beruhigendes, dass wir Pflege im Heim letztendlich immer finanzieren können, so schlecht oder so gering auch die finanziellen Möglichkeiten der betroffenen Personen sind. Pflege im Heim scheitert nicht am Geld. Im ambulanten Bereich haben wir da ganz andere Probleme, aber Pflege im Heim scheitert in Deutschland nicht am Geld.

00:30:18: AGLAJA ADAM: Ja, wir hoffen jetzt einfach, dass bei uns auch alles glatt läuft und wir irgendwann 'n bisschen entspannter sein können. Und ich denk, das wird dann der Fall sein, wenn der Sozialhilfeantrag dann genehmigt ist und das Ganze übernommen wird.

00:30:32: KAI KLINDT: Genau, da wünsche ich deiner Tante, dass sie sich gut einlebt im Heim, dass sie sich da wohlfühlt.

00:30:36: AGLAJA ADAM: Ja, danke.

00:30:36: KAI KLINDT: Und dass es ihr möglichst auch noch besser gehen wird mit den Einschränkungen, die sie durch den Schlaganfall hatte.

00:30:42: AGLAJA ADAM: Das hoffen wir auch, danke. Ja, damit sind wir dann auch schon am Ende von dieser Folge. Danke auch noch mal, dass Du das Thema eingeordnet hast, Kai.

00:30:54: KAI KLINDT: Ja, sehr gerne.

00:30:55: AGLAJA ADAM: Und wenn ihr oder Sie auch eine Frage habt, die wir für euch beantworten sollen, dann schreibt uns doch gern eine E-Mail an pflege@gesundheit-hoeren.de, hoeren mit oe.

00:31:08: KAI KLINDT: Wenn ihr mehr wissen wollt, schaut doch mal in die Shownotes, da verlinken wir euch hilfreiche Artikel auch auf unserer eigenen Website. Da haben wir einiges an Informationen zum Thema Pflege und auch zum Thema Hilfe zur Pflege, also Sozialhilfe bei Pflege. Und abonniert doch unseren Podcast, dann verpasst ihr auch keine Folge. Die nächste erscheint in 14 Tagen. Danke fürs Zuhören.

00:31:29: AGLAJA ADAM: Danke fürs Zuhören.

00:31:38: SPRECHER: gesundheit-hören. Das ist das Audioangebot der Apotheken Umschau.

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